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Me & GPT9 min05.12.25
Lessons learned: Strukturvariablen, Zonenstruktur und Grundsicherung im Modell 0.2

Parameter-Blaupause für das proto-Superorganismus 2.0 / WT-System 0.2. Ein zweiter Versuch, Größen zuzuordnen und konkret durchzuspielen.

1.Parameter-Blaupause: proto-Superorganismus 2.0 / WT-System 0.2

1.1.Globale Strukturvariablen

Name Beschreibung Typ / Einheit
N Anzahl der Einwohner:innen im betrachteten System (z.B. Kommune, Region) Integer
P Betrachtungsperiode (Standard: 1 Monat) Zeitintervall
H_max_total Max. Arbeitsstunden pro Person und Monat (alle Zonen zusammen) Stunden / Monat
H_min_regen Mindest-Regenerationszeit (Nicht-Arbeitszeit) pro Person und Monat Stunden / Monat
WT Einheit „Weighted Time Token“ (gewichtete Arbeitsstunde) Zeiteinheit mit Faktor
seed_version Version des Modell-Seed-Datensatzes (z.B. 12 Zonen, 50 Cluster) String / SemVer
algo_version Version der Berechnungslogik (Parameter-Funktion), damit Runs reproduzierbar sind String / SemVer
run_id Eindeutige ID einer Simulations-/Kalibrierungsrunde (Parameter + Annahmen + Ergebnisse) String (UUID)
D Abhängigkeitsmatrix zwischen Zonen (Kaskaden: Ausfall in Zone A senkt Kapazität in Zone B) Matrix (k×k)

Präzisierung (H_max_total / H_min_regen): Diese beiden Größen sind nicht „frei wählbar“, sondern sollten durch empirische Zeitbudgets plausibilisiert werden (Erwerbsarbeit, unbezahlte Arbeit/Care, Schlaf, Wegezeiten). Destatis liefert dafür einen belastbaren Rahmen über die Zeitverwendungserhebung (ZVE 2022; revidierte Ergebnisse). In der Simulation ist das keine „Steuergröße“, sondern eine Realismus-Constraint: Der Modellraum darf keine physisch/sozial unmöglichen Zeitbilanzen zulassen.


1.2.Zonenstruktur (WT-Zonen)

Es gibt eine Menge von Zonen Z = {Z₁, …, Z_k}, die verschiedene Tätigkeitsbereiche repräsentieren (Basisversorgung, Care, Markt, Luxus, Risiko usw.). Jede Zone Z_i hat eigene Systemparameter.

Name Beschreibung Typ / Einheit
Z_i i-te Zone (z.B. Basisversorgung, Care, Markt, Luxus …) Kategorie
g_i Gemeinwohlfaktor der Zone (0,5–3,0 o.ä.): gesellschaftlicher Nutzen pro Stunde dimensionslos
q_i Qualifikations-/Risikofaktor (Belastung, Verantwortung, Spezialisierung) dimensionslos
WT_rate_i WT pro Stunde in Zone i (z.B. WT_rate_i = 1h * g_i * q_i) WT / Stunde
H_max_i Max. zulässige Stunden pro Person in Zone i pro Monat (Gesundheit/Burnout-Schutz) Stunden / Monat
H_min_i Ggf. erforderliche Mindeststunden (z.B. Mindest-Care-Beitrag, Gemeinschaftsdienst) Stunden / Monat
cap_pop_i System-Cap: max. Gesamtstunden in Zone i pro 1000 Einwohner:innen Stunden / Monat / 1000 Ew.
convert_EUR_i Regel zur Konvertierbarkeit von EUR→WT in Zone i (erlaubt / begrenzt / verboten) Regel
convert_WT_i Regel, welche Leistungen in WT aus Zone i bezahlt werden dürfen (Miete, Bildung, Gesundheit, ÖPNV) Regel
priority_i Prioritätsstufe der Zone (Basis > Komfort > Luxus) für Zuteilungs-/Rationierungslogik Rang (1..k)
t_i Zeitkritikalität (wie schnell entsteht Schaden/Unterversorgung bei Ausfall; „Stunden vs. Wochen“) Skala (1..3)
s_i Substituierbarkeit (wie schnell kann Kapazität in der Zone ersetzt werden; „Pool/Engpass“) Skala (1..3)
kritis_tag_i Marker, ob Zone i (voll/teilweise) einem KRITIS-Sektor zugeordnet ist (Anker für g/t) Bool / Kategorie

Präzisierung (g_i, q_i als Anker; t_i, s_i als notwendige Ergänzung):

  • g_i und t_i sollten nach Möglichkeit an objektive Systemrelevanz geknüpft werden. Ein praktikabler externer Anker ist die KRITIS-Sektorlogik (BSI), weil sie genau die Bereiche beschreibt, deren Ausfall „nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe“ bzw. erhebliche Störungen auslöst.
  • q_i sollte nicht „Status“ messen, sondern Tätigkeitskomplexität/Verantwortung/Risiko. Als späterer Datenanker eignet sich das Anforderungsniveau im Berufssystem (BA/KldB-Umfeld).
  • s_i ist der zentrale Goodhart-Schutz: Wenn eine Tätigkeit nicht kurzfristig substituierbar ist (Engpass, lange Einarbeitung, geringe Poolgröße), muss das Modell das sichtbar machen, ohne nur „mehr Geld“ zu vergeben. Als Proxy kann die Engpassanalyse (BA) verwendet werden, die methodisch explizite Engpassindikatoren nutzt.

Präzisierung (WT_rate_i): Die Formel WT_rate_i = 1h * g_i * q_i bleibt als verständliche Baseline bestehen. In realistischeren Varianten wird WT_rate_i jedoch durch zusätzliche, explizite Modulatoren ergänzt (z.B. t_i, s_i, Schicht-/Gefahrfaktoren). Das ist nicht „mehr Komplexität um der Komplexität willen“, sondern nötig, um (a) Kaskaden zu dämpfen, (b) Engpässe nicht zu verschleiern und (c) Burnout-Mechaniken systemisch abzufangen.


1.3.Zeitboden / Grundsicherung in WT

Der „Zeitboden“ ist eine pro Kopf garantierte WT-Grundausstattung bzw. ein Mindestanspruch an gemeinwohlorientierten Leistungen.

Name Beschreibung Typ / Einheit
WT_floor Garantierter WT-Anspruch pro Person und Monat (z.B. für Wohnen, Grundversorgung) WT / Monat
WT_floor_share_i Anteil des Zeitbodens, der nur für bestimmte Zonen/Leistungen genutzt werden darf Anteil 0–1
WT_floor_eligibility(p) Regel, wer welchen Zeitboden erhält (alle, Kinder, Erwerbslose, Pflegebedürftige, etc.) Funktion
WT_floor_index Indexierungsregel des Zeitbodens (z.B. Kopplung an Lebenshaltungskosten, Mieten, Gesundheitskosten) Regel
WT_floor_bundle Definierter Waren-/Leistungsbundle, den der Zeitboden mindestens absichern soll (damit WT_floor nicht „leer“ wird) Struktur

Präzisierung: Der Zeitboden ist im Modell nicht „bedingungsloses Extra“, sondern die formale Abbildung eines Mindest-Leistungsniveaus. Damit er testbar ist, braucht er eine explizite Bundle-Definition (welche Leistungen), sonst ist WT_floor nur eine Zahl ohne Operationalisierung. In Simulationen wird der Zeitboden typischerweise gegen deprivation_rate und buffer_WT geprüft (Abschnitt 7).


1.4.Individuelle Variablen / Personas

Für jede Persona p gibt es einen Satz individueller Parameter. Personas sind Modell-Typen (z.B. alleinstehende Pflegekraft, Alleinerziehende, chronisch Kranke, Manager, Studierende, Rentner:in).

Name Beschreibung Typ / Einheit
H_total(p) Verfügbare Arbeitszeit pro Monat (inkl. Begrenzung durch Gesundheit & Care-Pflichten) Stunden / Monat
H_zone_i(p) Tatsächlich in Zone i geleistete Stunden pro Monat Stunden / Monat
H_care_unpaid(p) Unbezahlte Care-Arbeit (Soll im Zielmodell in eine WT-Zone überführt werden) Stunden / Monat
WT_income(p) WT-Einkommen der Persona: WT_income(p) = Σ_i H_zone_i(p) * WT_rate_i WT / Monat
WT_spend(p) In der Periode verausgabte WT (Wohnen, Bildung, Gesundheit, Versorgung) WT / Monat
WT_balance(p) WT-Saldo: WT_income(p) + WT_floor(p) − WT_spend(p) WT / Monat
EUR_income(p) Markt-/Geldeinkommen (Lohn, Transfers, Rente etc.) EUR / Monat
EUR_to_WT_limit(p) Obere Grenze, wie viel EUR pro Monat in WT getauscht werden darf (Anti-Aufkauf) WT / Monat
WT_to_EUR_limit(p) Obere Grenze für Rücktausch WT→EUR (Anti-Spekulation) WT / Monat
health_index(p) Gesundheitliche Belastbarkeit (Grenze für Arbeitsstunden, Ausschluss bestimmter Zonen möglich) Skala / 0–1
care_need(p) Eigenes Pflege-/Versorgungsbedürfnis (→ Mindest-WT, Vorrang in Leistungen) Skala
skill_profile(p) Qualifikations-/Skill-Profil, das Zugang zu Zonen/Jobs steuert (Skill-Tree-Anschluss) Struktur

1.4.1.Präferenzstruktur pro Persona

Name Beschreibung
pref_zone_i(p) Präferenz der Persona für Tätigkeiten in Zone i (hoch/mittel/niedrig)
pref_risk(p) Bereitschaft, riskantere/höher gewichtete Tätigkeiten zu übernehmen
pref_stability(p) Präferenz für stabile vs. volatile WT-Einkommen

Präzisierung:H_total(p) ist eine harte Budget-Constraint, keine „Belohnungsvariable“. In realistischen Varianten wird es durch (a) Care-Last, (b) Gesundheitsgrenzen und (c) Wegezeiten begrenzt. Das ist zentral, um versteckte Unfairness (z.B. systematisch höhere unbezahlte Care-Zeit) im Modell nicht zu ignorieren.


1.5.Rotations- und Verteilungsregeln

Regeln, damit das System nicht „klebt“ (kein dauerhaftes Festhängen in ungesunden Zonen).

Name / Regel Beschreibung
rotation_cycle_i Maximale Dauer, die eine Person zusammenhängend in belastender Zone i tätig sein darf
cooldown_i Mindestpause zwischen zwei Einsätzen in Zone i
access_rule_i(p) Kriterien für Zugang zu Zone i (Qualifikation, Gesundheit, demokratische Zuteilung, Los)
quota_vulnerable_i Mindestquote geschützter Gruppen, die nicht in belastende Zonen gelangen dürfen
quota_rotation_i Zielanteil von Personen, die Rotationsangebote tatsächlich nutzen bzw. Cap auf Dauerbesetzung
lifetime_cap_i Lebenszeit-Cap in besonders belastenden/gefährlichen Zonen (Schutz vor Extrem-Dauerkarrieren)

Präzisierung: Rotation ist nicht nur „Fairness“, sondern ein Stabilitätsinstrument gegen Ausfallkaskaden: Wenn eine Zone mit hohem t_i/s_i ausbrennt, sinkt ihre Kapazität und reißt abhängige Zonen mit. Deshalb gehört Rotation in die Kernlogik (nicht als „Option“).


1.6.Caps und Systembegrenzungen

Begrenzungen zur Einhegung von Spekulation und Überlastung.

Name Beschreibung Typ / Einheit
WT_cap_personal Maximaler WT-Bestand pro Person (oberhalb ggf. Abschmelzung/Umlaufimpuls) WT
WT_savings_window Zeitraum, über den WT unverändert gehalten werden dürfen, bevor Abschmelzlogik greift Monate
WT_cap_zone_i Max. Summe an WT, die in Zone i im Umlauf sein darf (z.B. Begrenzung Luxus-Zone) WT / Monat
WT_cap_service_j Cap pro Leistungstyp (z.B. max. WT-Anteil an Wohnkosten, um Verdrängungseffekte zu vermeiden) WT / Monat
trade_cap_EUR_WT Globales Limit für systemweite Konvertierungen EUR↔WT pro Periode WT / Monat
override_policy Governance-Regel: wann und wie Parameter (g/q/t/s) überschrieben werden dürfen (append-only mit Begründung) Regel

Präzisierung:override_policy ist die formale Antwort auf Goodhart: Proxys sind nie perfekt. Das Modell muss Korrekturen zulassen, aber nur auditierbar (wer/warum/wann), damit die Regelsetzung nicht unbemerkt „captured“ wird.


1.7.Charta- und Teil-V-Zieldimensionen (Prüfvariablen)

Diese Größen werden verwendet, um jede Parameter-Variante gegen die Charta und das Teil-V-Prüfschema zu testen.

1.7.1.Ökologische Integrität

Name Beschreibung
ECO_footprint_total Gesamtressourcen-/Emissionsfußabdruck pro 1000 Einwohner:innen
ECO_cap Zulässiger Höchstwert (kompatibel mit planetaren Grenzen)
ECO_zone_i Ökologische Last pro Stunde in Zone i (Energie, Fläche, Emissionen etc.)

1.7.2.Soziale Gerechtigkeit

Name Beschreibung
GINI_WT Ungleichheitsmaß über WT-Einkommen/Bestände
GINI_EUR Ungleichheitsmaß über EUR-Einkommen/Bestände
deprivation_rate Anteil der Personen, die Grundbedürfnisse trotz Zeitboden + WT nicht decken können
care_gap Differenz zwischen benötigter und tatsächlich geleisteter/vergüteter Care-Arbeit

1.7.3.Demokratie / Mitbestimmung

Name Beschreibung
DEM_participation Anteil der Bevölkerung, die an WT-Regelsetzung beteiligt ist (Bürgerräte, Abstimmungen etc.)
DEM_capture_risk Risiko der Regelübernahme durch reiche/organisierte Gruppen (Proxy: Konzentration von WT+EUR)
DEM_feedback_lag Zeit bis zur Regelanpassung nach erkannten Problemen (Care-Engpässe, Überlastungen, Ungleichheit)
override_rate Anteil/Zahl der Parameter-Overrides pro Run (Indikator für Proxy-Qualität und Governance-Stress)

1.7.4.Resilienz / Gesundheit

Name Beschreibung
burnout_risk Anteil der Personen über kritischer Belastungsgrenze (Stunden, Zonenmix)
buffer_WT Durchschnittlicher WT-Puffer pro Person (Monate Grundversorgung ohne zusätzliche Arbeit)
shock_resilience Fähigkeit des Systems, auf externe Schocks umzuschichten, ohne Grundversorgung zu gefährden
service_level_i Versorgungsgrad je Zone (Output-Metrik: Anteil der benötigten Leistungen/Arbeitsstunden, die erfüllt werden)
cascade_loss Verlust durch Kaskaden (wie stark Ausfall in Zone A andere Zonen „mitreißt“)

Präzisierung (Service-Level als harte Wahrheitsschicht): Die Parameter (g/q/t/s, Caps, Rotation) sind Mittel zum Zweck. Entscheidend ist, ob das System die Basisversorgung stabil hält (service_level_i) und gleichzeitig keine strukturelle Unfairness erzeugt (GINI_*, deprivation_rate, care_gap). Deshalb sollten alle Varianten gegen Stress-Szenarien geprüft werden (Pandemie/Krankenstand, Energieengpass, Cyberincident, Logistikstörung, Gaming/Manipulation).


1.8.Übersicht: Einstellbare „Schrauben“

Zur schnellen Orientierung, welche Parametertypen du in Varianten verändern kannst:

  1. Zonen-Parameter
    g_i, q_i, WT_rate_i, H_max_i, H_min_i, priority_i, convert_*, cap_pop_i.

  2. Zeitboden-Parameter
    WT_floor, WT_floor_share_i, WT_floor_eligibility, WT_floor_index.

  3. Persona-Parameter
    H_total(p), health_index(p), care_need(p), EUR_income(p), Präferenzen pref_zone_i(p) etc.

  4. Rotations- und Zugangsregeln
    rotation_cycle_i, cooldown_i, access_rule_i(p), quota_vulnerable_i, quota_rotation_i.

  5. System-Caps / Anti-Spekulation
    WT_cap_personal, WT_cap_zone_i, WT_cap_service_j, trade_cap_EUR_WT, WT_savings_window.

  6. Charta-/Teil-V-Kontrollgrößen
    ECO_*, GINI_*, DEM_*, burnout_risk, buffer_WT, shock_resilience usw.

  7. Daten- und Audit-Schrauben (Reproduzierbarkeit / Goodhart-Schutz)
    seed_version, algo_version, run_id, override_policy, override_rate, sowie Logging der Quellen/Proxys pro Run.


1.9.Quellenanker für spätere Kalibrierung (nicht normativ, sondern als Daten-/Struktur-Backbone)

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